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Brauchtumsfeuer und Auswirkungen auf Tiere, Luft und Gesundheit

Sonnenwend- und Frühlingsfeuer sind schon von Alters her dokumentiert. Freudenfeuer gab es zu so wichtigen Ereignissen wie Friedensschlüssen und Siegesfeiern. Heute gibt es hier im norddeutschen Raum hauptsächlich die Osterfeuer. Bei geselligem Zusammensein sollen alte Traditionen und Bräuche hoch gehalten werden.


Doch auch die Traditionen haben sich der Zeit "angepasst".


Früher haben Kinder und Erwachsene von Hand trockenes Reisig und Strauchwerk aufgeschichtet. Heute kommt der landwirtschaftliche Anhänger und bringt die z.T. frisch geschnittenen Äste und Sträucher, des Frühlingsschnittes, Baumstubben und leider auch oftmals Holzabfälle Möbel und Restabfall. Mit dem Frontlader werden die Haufen dann teilweise 4- 5 m hoch aufgeschichtet.


Nicht nur die Größe der Feuer, sondern auch die Anzahl der Feuer ist problematisch. Gab es früher pro Dorf ein Osterfeuer, gibt es heute auf jedem Hof einen Haufen der angezündet werden soll. So wurden z.B. aus der Gemeinde Westoverledingen (ca. 20.000 Einwohner) im Jahr 1995 rund 250 Osterfeuer gemeldet.

Bei stichprobenartigen Kontrollen wurden im Jahr 2000 Osterfeuer von 450 - 600 m³ vorgefunden.


In 50% der Feuer wurden Holzabfälle wie z.B. druckimprägniertes Holz, Tische und in einem Fall sogar Altreifen und andere Restabfälle vorgefunden.

Die Sicherheitsabstände zu Straßen und Bäumen/Wällen sind teilweise grob unterschritten worden

Für Tiere sind die Haufen besonders gefährlich, da die Osterfeuer in der Brutzeit aufgeschichtet werden und deshalb gerne als Unterschlupf und Brutplatz genutzt werden. Es ist unbedingt notwendig, den Haufen max. 24 Stunden vor dem geplanten Feuer erst zum endgültigen Haufen aufzuschichten. Ein Abklopfen des Haufens nutzt nichts, da in dem Haufen lebende Tiere z.B. Igel, Vögel, Mäuse usw. sich nur tiefer im Reisighaufen verkriechen.


Je nach Feuchtigkeitsgehalt entwickelt das Feuer eine höhere oder niedrigere Verbrennungstemperatur. In dem Qualm sind bei geringeren Verbrennungstemperaturen mehr Luftschadstoffe enthalten. Neben dem klimarelevanten Gas CO2 entstehen auch das giftige Kohlenmonoxid sowie u.a. Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, organische Säuren und Zyanverbindungen. Aus anderen behandelten Hölzern können weitere giftige Substanzen freigesetzt werden. Der beißende Qualm und die Abgase der Osterfeuer wirkt oft noch tagelang nach und bestreicht große Gebiete, so das Asthmatiker und an Atemwegeerkrankungen leidende Menschen besonders darunter leiden. Die Auswirkungen auf Tiere sind nicht genau geklärt, aber jeder weiß, wie z.B. Bienen auf den Rauch des Imkers reagieren und flüchten.


Also was tun?

Verbieten kann und sollte man ein Brauchtumsfeuer auf keinen Fall, aber auf Grund der vorgenannten Angaben sollte man die Anzahl und Größe der Osterfeuer freiwillig verringern und nicht einen Wettstreit um das größte Osterfeuer schüren, bei dem die Umwelt immer verliert.


Ausserdem gibt es rechtliche Rahmen die von den Betreibern eines Osterfeuers eingehalten werden müssen und sie müssen sich über die rechtlichen Konsequenzen klar sein die durch das Feuer auf sie zu kommen können. Nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz wird der Betreiber Eigentümer der Abfälle und muss diese auf seine Kosten entsorgen. Dieses gilt für übriggebliebene Reste, als auch für im Feuer gefundene Abfälle. Besonders Problematisch ist es, wenn aus Witterungsgründen nicht möglich ist die Holzabfälle anzuzünden, da er in diesem Falle für Entsorgungsgebühren aufkommen muss. 


Die Anlieferung des Ast- und Strauchschnittes sollte genau überwacht werden, z.B. auf einen Tag begrenzen. Wenn ausschließlich am Abbrenntag aufgeschichtet wird, können mehrere Auflagen mit einem Schlage erledigt werden. Wenn das Reisig dann auch von den Anlieferern von Hand aufgeschichtet wird, wird der Untergrund nicht zerfahren und eine Kontrolle auf Restabfälle ist einfacher. Osterfeuer die nicht öffentlich zugänglich sind, können nicht genehmigt werden.


Wohin mit dem Frühlingsschnitt

Jetzt werden viele Gartenbesitzer klagen, wohin sie mit den frischen Frühlingsschnitt aus dem Garten sollen. Abgesehen davon, dass diese frischen Äste und Sträucher nicht auf das Osterfeuer gehören, ist dieses ebenso einfach wie kostengünstig.


  • Im Frühjahr werden Äste und Sträucher in Bündeln von der "Haustür" kostenlos abgefahren.
  • Wer sich die Mühe mit dem Bündeln der Sträucher nicht machen will oder die Abfälle fallen zu einem späteren Zeitpunkt an, der kann seinen Ast- und Strauchschnitt kostenlos auf der Deponie Wiefels abgeben.

Im Kompostwerk werden die Äste und Sträucher schadlos dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt und die Nährstoffe können dem Boden wieder zugeführt werden.

Tipp

Ein Osterfeuer sollte ein Brauchtumsfeuer bleiben. Zur Abfallentsorgung gibt es die Deponie


  • deshalb nur trockenes Material auf das Osterfeuer geben
  • überzählige Mengen an Ästen und Sträuchern können kostenlos zur Deponie gebracht werden
  • keine Restabfälle wie z.B. Bretter, Möbel, Reifen
  • Tiere schützen, den Haufen erst am Brenntag aufschichten
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